Mensch sein, heißt gütig zu sein.

Wahre Worte sind nicht schön.
Schöne Worte sind nicht wahr.
(Laotse)

Wahrheit & Lüge

Eines unserer größten Probleme im Leben ist, entweder die Wahrheit oder die Lüge zu erkennen.
Dabei ist das Erkennen der Wahrheit ein schwieriger bis unmöglicher Akt.

Jeder von uns hat bereits Situationen erlebt in dem er weder das Eine noch das Andere glauben konnte. Ein Zustand der Ungewissheit, das ein beängstigendes Gefühl hervor rufen kann, da man eine Entscheidung davon abhängig machen möchte. Diese Situation ist, in meinen Augen, die beste Voraussetzung, um überhaupt die Wahrheit finden zu können.
Ich habe mich gefragt: „Wieso ist die Wahrheit oft so schwer zu erkennen?“
Den Grund sehe ich in der Persönlichkeit eines jeden einzelnen Menschen.
Wenn jemand eine bestimmte Information erhält, so versucht derjenige diese Information in ein logischen Ablauf zu integrieren und ergänzt diese mit anderen bereits erhaltenen Informationen. Dabei greift er nicht nur allein auf diese Informationen zurück, sondern erstellt auch mit Hilfe von Emotionen ein wahrscheinliches Bild, das er dann als Wahrheit empfindet. Und genau da liegt der Knackpunkt.
Wenn ich die Wahrheit beschreiben möchte, so benutze ich nur die Fakten ohne etwas hinzu zu fügen oder wegzulassen. Ich mache sie weder größer noch kleiner. Ich muss diese so nah wie möglich an der Realität darstellen. Der Spielraum der Darstellung ist somit extrem begrenzt.
Die Lüge hingegen, kann ich so darstellen, wie sie mir am besten gefällt, oder wie sie dem, dem ich sie erzähle am besten gefällt. Ich kann sie aufblasen oder schrumpfen lassen. Ich kann sie anmalen oder auch abstrakt darstellen. Der Spielraum der Darstellung ist somit enorm groß.
Wenn ich als Mensch mich zwischen zwei Aussagen entscheiden muss, die Eine zu glauben und die Andere nicht, so neige ich dazu, die mir sympathischere Version als die Wahrheit zu akzeptieren. Folglich wird die Wahrheitsfindung von einer Emotion negativ beeinflusst. Angst und Wut, aber auch Verliebtheit und Euphorie verführen uns, um zur Lüge zu gelangen.
Nach dieser Erkenntnis, musste ich mir eine andere Art der Wahrheitsfindung überlegen. Nun begann ich jede erhaltene Antwort, ein weiteres Mal zu hinterfragen. Selbst die Antworten, die ich mir selber gegeben hatte und erst recht, wenn mir eine Antwort auf Anhieb gefiel. Diese Methode ist ein wichtiger Teil für mich, um das Prinzip „das Festhalten an der Wahrheit“ zu praktizieren.
Auf diese Art und Weise gelangte ich zwar nicht immer zu einer zufriedenen Antwort, aber ich erkannte nach einer gewissen Hartnäckigkeit sehr oft die Lüge.

Ein Beispiel: In einem Zeitungsartikel der bekanntesten und günstigsten Hetz-Presse, war von einem Experten die Rede, der zu einem Thema seine Beurteilung gab. Dieser Experte wurde von dieser Zeitung nie beim Namen genannt. Und ich fragte mich: „Warum soll ich einem Experten glauben, der seinen Namen nicht nennt?“. Oder „Warum zitiert die Zeitung einen Experten, ohne seinen Namen zu nennen?“ Für mich ergaben sich zwei Möglichkeiten: Die eine war: „...weil der Experte nicht erkannt werden möchte.“ oder „...weil es den Experten nicht gab.“ Wo ich mir nun wieder eine weitere Frage stellte: „Warum würde eine Zeitung nicht auf einen Experten zurück greifen, der zu seiner Aussage mit seinem Namen steht?“. Und hier ergab sich wieder die Antwort: „...weil es den Experten nicht gab.“
Immer wieder zu hinterfragen ist für mich die beste Möglichkeit eine Täuschung zu entlarven, auch wenn mir das nicht immer gelingt.

Ein anderes Beispiel möchte ich mit einem Nahrungsmittel geben.
Als ich neulich den Supermarkt durchforstete, viel mir auf, dass die Sorte Brot, die ich bevorzugte, sich optisch stark von den anderen Sorten unterschied und verglich die Art der Beschriftung sowohl vom Inhaltlichen als auch von der Symbolik. Auf beiden Verpackungen waren Bilder von sonnen-gereiften Ähren und eine Windmühle zu sehen. Auf der ersten Packung fand ich Worte wie „Gutes aus...“ und „Fitness“, die mich davon überzeugen sollten, dass dieses Brot gut und gesund ist. Es war ein günstiges Brot mit einer eher dezenten Aufmachung.
Auf der zweiten Packung fand ich Worte wie „Natur“, „kernig kornige...“, „Mehr Korn“, „Gut“ und „Land“. Diese sollten bei mir das Gefühl von natürlicher ländlicher Idylle eines rustikalen Bauernhofes geben, eben weit weg von industrieller Massenproduktion. Dieses Brot war wesentlich teurer und war optisch auffälliger gestaltet.
Vor einigen Jahren hätte ich mich nun vom Gefühl leiten lassen und mich für die zweite, teure, optisch ansprechende Sorte entschieden. Heute falle ich nicht mehr darauf rein.
Um heraus zu finden, welches Brot nun tatsächlich unbedenklich gegessen werden kann, blieb mir nur noch die Zutatenliste zu studieren. In einer Zutatenliste sollten nur Dinge stehen, die auch für die Herstellung eines Brotes zu Hause von Nöten wären. Wie die verwendeten Mehlsorten, ob es sich um Natursauerteig handelt, welches Salz und welches Backtriebmittel verwendet wurde. Mehr nicht. Jeder, der sich mal mit dem Rezept kurz beschäftigt hat, wird mir dies bestätigen können. Wozu brauche ich Emulgatoren oder Weizenkleber in einem Brot, das keine 3 Tage alt wird?

Eine Berichterstattung oder eine Produktbeschreibung ist das, was den Konsument eigentlich nur interessieren sollte. Ich musste erlernen, jede weitere Beilage, wie Kommentare oder schöne Bilder zu ignorieren, um ein eigenes Urteil fällen zu können. Diese Beilagen dienen allein nur dazu meine Objektivität einzuschränken. Dabei bedienen sich die Urheber dieser Beilagen an 3 Methoden. Erstens: Das Weglassen von weiteren wichtigen Fakten. Zweitens: Eine zusätzliche Lüge. Und Drittens: Das Ansprechen meiner Emotionen, um Sympathie für ihre Darstellung bei mir zu erzeugen.
Die ersten beiden Methoden kann ich sehr selten sofort erkennen. Aber die Dritte zu erkennen, ist keine Kunst, wenn man immer darauf achtet. Wobei ich inzwischen gelernt habe, dass ich um so mehr Skepsis an der Darstellung haben sollte, je mehr meine Emotionen / Sinne angesprochen werden.
Und das kann jeder erkennen, wenn er nur will.

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